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Günther Milz als Gastautor in der Touristik Aktuell 50 Jahre Jubiläumsausgabe 2019

„Für kleine Büros wird es schwer“

Stationärer Vertrieb: Chancen und Risiken im Reisebüro der Zukunft

Reisebüros rentieren sich noch. Wer aber am Markt bestehen will, muss den Umsatz pro Mitarbeiter nach oben bringen. So zitierte touristik aktuell vor einigen Monaten den Derpart-Manager Bernd Zillich. Seine Aussage: Der Durchschnittsumsatz pro Mitarbeiter müsse von rund 650.000 Euro auf mindestens 800.000 Euro steigen, um Reisebüros profitabel zu betreiben. Möglich sei dies unter anderem durch moderne Technik. 

Wirklich? Die Reisebüro-Branche ist im Vergleich zum klein strukturierten Einzelhandel bei der Digitalisierung auf einem guten Weg und in vielen Fällen technisch bereits ordentlich aufgestellt. Aber zum Reisebüro der Zukunft ist es noch ein langer Weg.

Und er hängt in erheblichem Maße von der Bereitschaft der Veranstalter ab, auskömmliche Vertriebsprovisionen zu zahlen. Nur so sind die Investitionen zur Absicherung der Zukunft finanzierbar. Hier ist QTA-Sprecher Thomas Bösl im Moment einer der wenigen, der öffentlich Tacheles redet. 

Besonders bei Reisebüros zwischen 1,2 und 1,5 Millionen Euro Umsatz pro Jahr sind die Bilanzen nach Unternehmerlohn oft tiefrot, besonders dann, wenn sie Mitglied einer Franchise-Organisation sind. 

Ein großes Fragezeichen steht zudem über dem Thema Omnichannel. Werden Reisebüros dabei wirklich die Rolle spielen, von der Thomas Cook und TUI so gerne reden? Der Versuch ist es wohl wert. Denn die reinen Online-Portale versuchen, mit immer besserer Software jene Kundennähe zu erreichen, die bisher nur stationäre Reisebüros haben. Das Rennen sollte man nicht verloren geben. 

Das Reisebüro der Zukunft hat dann Chancen, wenn es den Kunden begeistern kann. Eine moderne Technik ist wichtig, jedoch mehr als Hilfsmittel effizienter Beratungs- und Arbeitsprozesse. Reisebüro-Geschäft ist Persönlichkeitsgeschäft. Gefragt sind sympathische Persönlichkeiten jeden Alters, die mit großer Leidenschaft und Begeisterung ihre Kunden im regionalen Netzwerk vor Ort überzeugen.

Um aus dem fatalen Kreislauf von niedrigen Grundprovisionen, Superprovisionen und sonstigen kaum vermittelbaren Provisionseinfällen der Konzerne zu kommen, sollten Reisebüro-Organisationen eigene Strategien entwickeln. Dazu gehören selbst aufgelegte Gruppenreisen mit persönlicher Reisebegleitung sowie hochwertige, maßgeschneiderte Privatarrangements mit Margen von bis zu 30 Prozent.

Leider haben viele Reisebüros durch den massiven Ausbau des Bausteingeschäftes und der Angst vor dem Risiko der Eigenveranstaltung oft nicht mehr das notwendige Know-how, direkt bei Incoming-Agenturen, Hotels und Fluglinien einzukaufen und so eigene Reisen aufzulegen. Hier besteht ein Info- Bedarf, mit dem wir uns als Unternehmensberater immer öfter konfrontiert sehen. 

Extrem wichtig ist zudem die Präsenz in Social-­Media-Kanälen und im Internet. Expedia, Booking und Secret Escape, aber auch Lufthansa holen heutzutage die Kunden regelmäßig mit Sonderangeboten und Reiseideen per Newsletter zu Hause ab. Reisebüros sind gefordert, da gegenzuhalten. 

Für Büros unter einer Million Euro Umsatz wird die Zukunft extrem schwer. Sie sollten überlegen, ob sie ihr Geschäft erweitern oder besser verkaufen. Vielleicht hat ja der örtliche Lokalmatador Interesse.

Günther Milz von KTC Tourismus Consulting in der fvw

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Wende im Japan - Geschäft / Marktuntersuchung der KTC Tourismus Consulting

JF Tours 

15.06.2011, 09:32 Uhr, Pressebericht Fremdenverkehrswirtschaft International  

Ist das schon das Comeback? Mitte Juli bieten Veranstalter wieder touristische Reisen in das Land der aufgehenden Sonne an. Spezialist JF Tours registriert mehr Buchungen als Stornierungen.
Nach den Einbrüchen der vergangenen Monate macht sich bei Deutschlands größtem Japan-Spezialisten Hoffnung breit. Dertour, Meier’s Weltreisen und Ikarus gehören zu den Veranstaltern, die ihre Japan-Programme wieder aufnehmen. JF Tours führt für diese Anbieter die Reisen durch. 
Im April betrug die Stornoquote für Reisen zwischen Juli und November 2011 rund 25 Prozent. Im Mai waren es noch fünf Prozent. Immerhin treffen mittlerweile mehr Buchungen als Stornierungen ein, heißt es bei dem Solinger Veranstalter, der bis Ende des Jahres noch auf rund 1000 Japan-Touristen kommen will. 

Studie belegt das Interesse an Japan-Reisen 

Japan stößt wieder auf Interesse. So lautet die Schlussfolgerung bei JF Tours. Eine Untersuchung von KTC Consulting in Zusammenarbeit mit dem Baltic College in Schwerin zu den Plänen und dem Reiseverhalten der Japan-Kunden gibt dem Veranstalter Recht. Die telefonische Umfrage unter 1100 Kunden im April und Mai ergab, dass 45 Prozent ihre Reisepläne nicht aufgegeben, sondern lediglich aufgeschoben haben. Rund 50 Prozent legten ihr Reisevorhaben ad acta. 
Geschäftsführer Johannes Fangenberg wird nicht müde, Bedenken gegenüber Japan-Reisen aus dem Weg zu räumen. Bei einer Tour in der ersten Mai-Hälfte konnte er sich selbst ein Bild machen. Er sei überrascht, „wie schnell Japan außerhalb des Katastrophengebietes wieder zur Normalität zurückgefunden hat.“  
Die Internationale Atomenergiebehörde, das Bundesamt für Strahlenschutz und die WHO gelangten derzeit übereinstimmend zu der Einschätzung, das Aufenthalte im Großraum Tokio und in den südwestlich gelegenen Regionen aus radiologischer Sicht unbedenklich seien. 

Rewe Baustein will das Angebot im Winter um die Hälfte reduzieren 

Im kommenden Winter ist Japan bei JF Tours unverändert mit elf Tourvarianten und 75 Abreiseterminen vertreten. Allerdings: Die Partner Dertour und Meier´s Weltreisen haben ihre Programme um die Hälfte reduziert. Doch bei JF Tours geht man davon aus, dass für den Sommer 2012 das diesjährig geplante Volumen aufgelegt wird. 
Japan wird weiter das Schwergewicht bilden, aber in Solingen arbeitet man mit Hochdruck an einer neuen Destination. Um wen es sich handelt, soll in Kürze bekanntgegeben werden. Vielleicht gelingt mit dem neuen Ziel ein ähnlicher Erfolg wie mit Korea. JF Tours sieht sich dort nach kurzer Zeit als Marktführer für Gruppenreisen. Die DRV-Tagung im November dürfte dem Land weiteren Aufschwung verleihen und damit die Sorgen bei JF Tours weiter lindern.  

von Michael Krane